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«Wir sind eine gute Truppe – das wird sich auszahlen», Zürcher Bote vom 15. Januar 2021

AUF EIN WORT, HERR FRAKTIONSPRÄSIDENT
«Wir sind eine gute Truppe – das wird sich auszahlen»

Thomas Wolf durchlebt als Fraktionspräsident der SVP Winterthur und als passionierter Gastrounternehmer aktuell eine sehr anspruchsvolle Zeit. Woraus er trotzdem Zuversicht schöpft, verrät er im Interview.

Als Gastronom aus Leidenschaft muss Ihnen die aktuelle Situation mit Corona fast das Herz brechen. Wie gehen Sie und Ihre Mitarbeiter mit dieser enormen Herausforderung um?
Die Situation ist jetzt anders als beim ersten Lockdown im März. Wir hatten gewisse Reserven und waren finanziell besser aufgestellt. Zudem wurde uns von der Landesregierung klar kommuniziert, dass wir für unsere Schliessungen entschädigt werden. Also konzentrierten wir uns auf unseren Betrieb, haben das Büro aufgearbeitet, Speisekarten vorbereitet, neue Sommergerichte ausprobiert, Bestellungen vorbereitet etc. Diesmal ist die Stimmung schlechter. Die Mitarbeiter haben echt Angst um ihre Stellen, da ja auch Alternativen wegfallen. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, tauschen uns in einer Whatsapp-Gruppe aus und bleiben so in Kontakt.
Was uns freut ist die riesige Unterstützung unserer Gäste und Freunde. Wir bekommen viele nette Zuschriften, Mails und Zuspruch. Sogar Spenden – ich sage das nicht mit Stolz, ich hätte nie gedacht, dass wir dereinst froh darüber sind und sie uns da weiterhelfen.

Möchten Sie uns die direkten Folgen der getroffenen Massnahmen auf Ihr Restaurant schildern?
Wir haben einen Umsatzverlust von einem Drittel gegenüber den Vorjahren. Deshalb mussten wir drei Stellen abbauen. Zum Glück zu einer Zeit, während der die betroffenen Mitarbeiter alle eine andere Lösung finden konnten. Das wäre heute schwierig. Wir mussten auf einen Drittel der Sitzplätze verzichten, haben die Öffnungszeiten reduziert sowie das Angebot verkleinert. Das hat gut funktioniert, bis ab Oktober wieder zusätzliche Massnahmen uns erheblich eingeschränkt haben.

Was wünschen Sie sich vom Staat bzw. von den Behörden, damit KMU wie Ihres die Krise überstehen können?
Dass die Massnahmen überlegt und Entscheide aufgrund von klaren Fakten getroffen werden. Hier happert’s momentan auf Bundesebene. Jede Woche eine gute Idee, um irgendeine andere Region anzuklagen, ist eigentlich nicht der Weg der Schweiz. Mehr «Gouverner c’est prévoir» wäre mein Wunsch, dann wären wir nicht so schlecht in die zweite Welle gerauscht.

Auch als Fraktionspräsident sind Sie derzeit stark gefordert. Was beschäftigt Sie (abgesehen von der Steuerfussdebatte – auf die gehen wir noch näher ein) am meisten?
Die Zukunftsaussichten unserer Stadt. Die sehen vor allem finanziell nicht rosig aus. Deshalb müssen wir unbedingt versuchen, das Steuer herumzureissen, und auch für gute Steuerzahler und Firmen attraktiver werden. Leider zielt der aktuelle, linksgrün dominierte Stadtrat in eine andere Richtung. Zudem ist mir wichtig, dass unsere Gemeinderatsfraktion einen guten Zusammenhalt hat und wir unsere Energie gegen aussen verwenden können. Da sind wir, trotz (oder auch dank) einiger Wechsel auf gutem Weg. Wir sind eine gute Truppe, das wird sich auszahlen.

Die parlamentarische Allianz gegen die frechen Steuererhöhungsbegehrlichkeiten des Stadtrates steht nach wie vor. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Die Allianz steht weiter. Wir Fraktionspräsidenten haben einen guten Kontakt und tauschen uns regelmässig aus. Wir sind uns einig, wie wir das Budget durch den Rat bringen wollen.

Was kann die SVP ihrerseits dazu beitragen, damit die Phalax von EVP, GLP, CVP, FDP und SVP bestehen bleibt?
Wir haben uns geöffnet. Aus der Vergangenheit haben wir halt etwas den Ruf, Einzelgänge durchzuziehen, die zwar unsere Meinung widerspiegelten, aber keine Mehrheit fanden. Aufgrund der Kräfteverhältnisse müssen wir mit anderen, vor allem bürgerlichen, Parteien zusammenarbeiten, um ein Ziel zu erreichen. Das braucht gute Verhandlungen, damit unsere Handschrift weiterhin erkennbar ist. Die jetzige Koalition ist aber nicht immer passend, da ist die Spannweite für viele Themen zu gross. Wir müssen situativ immer die entsprechende Unterstützung einholen. Und ab und zu auch selber auf die Pauke hauen.

Sie sind ursprünglich aus Biel. Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Biel und Winterthur?
Biel hat eine der höchsten Sozialquoten der Schweiz, das versuchen wir in Winterthur zu verhindern. Eigentlich sehe ich mehr Gegensätze: Die haben schon ewig einen SP-Stadtpräsidenten, die Einkaufsstrassen haben noch mehr Leerstände als bei uns, das Verkehrsregime in der Stadt ist eine Zumutung. Man sieht, wohin diese Politik führt. Für Bienne spricht der Klassiker: Die haben einen See. Und etwas französisches Lebensgefühl!

Was nimmt ein gelernter Koch mit in die Politik?
Im Gastgewerbe muss man sich schnell auf verschieden Situationen einstellen können. Die Arbeit in der Küche ist anstrengend und abwechslungsreich. Man muss die Hitze am Herd aushalten. Ziele erreicht man nur im Team. Das kann man alles übertragen. Man hat lange Arbeitstage, unterbrochen von der Zimmerstunde. Das hat man als Milizpolitiker auch, wenn abends noch eine Sitzung ansteht, welche bis 22.30 Uhr dauert.

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